Donnerstag, 7. Juni 2012

das geht auch mich was an...

obwohl nicht mehr im reproduktionsfähigen alter, finde ich es mehr als bedenklich, dass immer mehr hebammen ihren beruf aufgeben müssen, weil sie schlichtweg nicht mehr davon leben können. 

tatsache ist: eine hebamme verdient im durchschnitt 7,50 € pro Stunde, was sie dafür leistet, muss ich nicht beschreiben, das ist bekannt. dass steigende kosten, ihren stundensatz unter die niedriglohngrenze treiben auch. eine verpflichtend abzuschließende berufshaftpflichtversicherung kostet sie zurzeit schon 3.700 € pro jahr, ab 01.juli dann 4.200 €. da können wir uns ausrechnen, dass noch mehr hebammen ihren beruf an den nagel hängen müssen.

wie außerordentlich wichtig die unterstützung einer hebamme vor, bei und nach der geburt ist, habe ich selber erfahren. beim ersten kind hatte ich nach der geburt das sogenannte kindbettfieber, da es einen tag nachdem ich aus dem krankenhaus zurück war auftrat, gab ich dem aufenthalt dort die schuld (was vom kh bestritten wurde). als 1 1/2 jahre später mein zweites kind zur welt kam, wollte ich auf keinen fall noch einmal länger ins krankenhaus und entschloss mich ambulant zu entbinden. mit meiner hebamme klappte das wundbar, sie bereitete mich auf die geburt vor, gab tipps, wie ich anschließend zu hause am besten zurecht komme. auf ihre empfehlung suchte ich mir eine temporäre haushaltshilfe. sie war bei der geburt dabei, wie auch beim ersten mal, sie besuchte mich anschließend täglich zu hause, gab tipps zum stillen und war für alle fragen und bedenken eine kompetente ansprechpartnerin. meine haushaltshilfe, eine junge frau aus dem ort, mit kleinem sohn, kam jeden vormittag, erledigte im haushalt was anfiel, kochte ein leckeres essen, das wir anschließend gemeinsam mit unseren kindern genoßen. daraus ergab sich sogar eine art freundschaft, die lange jahre währte. es war alles in allem eine schöne entspannte zeit nach der geburt des sohnes. ich konnte mich ganz den kindern widmen und auch mir selber, wenn die beiden schliefen oder der papa zu hause war. (übrigens, die kosten für hebamme und haushaltshilfe wurden damals komplett von meiner krankenkasse übernommen).


beim aufenthalt im krankenhaus habe ich mich von anfang an kaserniert gefühlt. schlafen, essen alles nach plan, geht ja auch nicht anders. rooming-in war erlaubt aber nicht gerne gesehen. meine zimmernachbarinnen, waren um 9:00 uhr müde, gaben das kind ab und schliefen. ich verbrachte mit kind und buch halbe nächte auf dem flur, schön und entspannend war das nicht. 


was ich mir für meine tochter, nein für alle jungen frauen wünsche, dass sie diese möglichkeit auch haben. dass sie entscheiden können, wie sie die geburt und das davor und danach gestalten wollen. 


politiker/innnen, die mehr kinder fordern, und so zweifelhafte anreize wie ein betreuungsgeld schaffen, vergessen wohl, dass der ruf nach mehr kindern auch voraussetzt, dass die passenden rahmenbedingungen bei der geburt gegeben sein müssen. und diese schafft zu einem wesentlichen teil die hebamme. 


damit die arbeitsbedingungen für hebammen wieder attraktiv werden und auch unsere töchter noch in den genuss kommen, von einer hebamme betreut zu werden, habe ich heute diesen appell mitunterzeichnet und hoffe, dass das noch ganz viele tun.



 lieben gruß von sabine





Kommentare:

  1. Schlimm, was die mit den Hebammen machen! Ich hatte bei beiden Kids eine äußert kompetente Hebamme zur Nachsorge zur Seite. Sie hat mir gerade bei der Anfangszeit mit dem ersten Kind viel geholfen.

    Wäre schon traurig, wenn die Mütter in Zukunft darauf verzichten müssen.

    Ich werde auch unterschreiben.

    LG

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    1. super, das freut mich so. ich denke, das ist so eine sache, wo hauptsächlich wir frauen von betroffen sind, so engagiert die jungen väter auch sind, und in den entscheidenden gremien sitzen nun mal noch immer mehr männer als frauen. deshalb müssen wir unbedingt auf diese weise aktiv werden. hab noch einen schönen tag!

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Hab ich gemacht.
    Vor allem die explodierenden Haftpflichtbeträge finde ich eine Frechheit.

    Grüße! N.

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  4. ja genau, und das bei dem verdienst und die übrigen kosten steigen sowieso. lieben gruß sabine

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  5. Das ende vom Lied wäre, dass die Kosten privat getragen werden müssten und nur noch die Reichen sich eine Hebamme leisten können.
    Geht gar nicht.
    LG Sabine

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  6. darauf würde es hinaus laufen, da hast du recht, und dabei spart es den krankenkassen eine menge geld, wenn frau nach einer ambulaten geburt von der hebamme zuhause versorgt wird. ist schon paradox! lieben gruß sabine

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  7. Hallo Sabine
    Ganz genau so empfand ich das auch. Zum Glück musste ich nur 1 Nacht im Spital verbringen.
    Es ist an Qualität nicht zu überbieten, was eine Hebamme dazu beitragen kann, einen Erdenbürger willkommen zu heissen.
    Susanne

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