Sonntag, 6. Mai 2012

no stress


in brigitte woman 05/12 schreibt till raether über „die leistungslüge“. so nennt er das, es wenn frau/man sich vormacht, alles auf die reihe zu bekommen und dabei selber auf der strecke bleibt – kurz zusammengefasst – den artikel findest du hier...
ich habe mich darin wiedererkannt, wie ich war, vor gar nicht so langer zeit. einerseits stolz darauf so viel geschafft zu kriegen – kinder nicht nur erzogen sondern auch noch bespasst, beruf und haushalt alles auf der reihe, freundschaften und hobbies gepflegt, immer addrett und möglichst kein gramm zu viel auf den rippen aber immer ein lächeln auf den lippen. andererseits oft müde und lustlos und vor allem immer mit einem schlechten gewissen im nacken, weil irgend etwas doch nicht nicht geschafft war oder auch nicht zu schaffen war. irgendwann hab ich mir überlegt, warum mach ich das eigentlich:
  • weil ich es mir selbst einrede, dass es notwendig ist (bettwäsche bügeln, ¼ jährlich fensterputzen, fingernägel lackieren), um einen gewissen standard zu erfüllen. wessen? meinen?
  • weil ich so gern gelobt werde? wie oft kommt das tatsächlich vor. zwar gelte ich als gut organisiert und zupackend – aber auch heute noch, obwohl ich keine 300% mehr bringe, aber lobend erwähnt wird das selten.
  • weil ich es am besten kann? ha, das ist die absolute dummchenfalle. Wer behauptet, dass ich etwas unbedingt machen muss, weil ich es am besten kann, ist immer, immer, immer zu faul es selbst zu tun und will mit einem billigen kompliment davon ablenken. Wenn ich selber der meinung bin, dass ich etwas sehr gut kann, es aber nicht so gerne mache, bin ich gerne bereit es jedem zu zeigen wie's geht, mehr aber nicht. 
     
  • weil ich nicht ungefällig und eine gute Freundin/Tochter/Mutter sein will? Ja, aber das bin ich auch, wenn ich abwäge, wobei ich helfe oder einspringe. eine richtige freundin würde nie von mir verlangen, dass ich über meine leistungsgrenzen gehe, eine gute mutter auch nicht, eine gute tochter erkennt, dass die bereitschaft ihrer mutter zur verfügung zu stehen, grenzen hat. Das heißt nicht, dass in notfällen oder auch bei situationsbedingten notwendigkeiten nicht mit mir zu rechnen ist. doch, aber was ein notfall oder eine notwendigkeit ist entscheide ich. Ein beispiel: meine (damals) 17-jährige tochter wollte gerne abgeholt werden tags und nachts. tagsüber musste sie, auch wenns umständlich war, die straßenbahn oder den bus nehmen. nachts, egal wann, hab ich sie klaglos abgeholt, wo auch immer, weil ich das absolut für notwendig hielt. 
     
  • weil ich glauben will, dass ich unersetzlich bin? jeder hat mal urlaub, ist krank, fällt für ein paar tage oder wochen aus und das leben geht weiter, oh wunder. was passiert, wenn wir ausfallen, weil es uns alles zu viel wird? Warum bauen wir nicht zeitpuffer ein, die wir im besten fall dazu nutzen uns ein paar kreative gedanken zu machen im schlechtesten fall dazu die situation zu entspannen. um zeitpuffer übrig zu haben, darf ich aber mit meiner zeit nicht umgehen als ob ich sie im ausverkauf bekommen hätte, sondern muss sie mir sorgsam einteilen, d.h. für mich prioritäten setzen und rechtzeitig nein sagen. 
     
  • weil mich das schlechte gewissen plagt? Herr raether beleuchtet in seinem artikel, woher das wohl kommt. ich für mich kann sagen, das trainiert frau/man sich an, wie oft wird uns in der werbung, in zeitschriften suggeriert, wie wir „idealerweise“ sein sollten. wieviele ratgeber-bücher habe ich gelesen, um mich und mein umfeld zu „optimieren“. Hinterfragt habe ich das erst nach und nach und heute überlege ich genau, welche vorgaben ich akzeptiere und warum.
    beruflich kommt dazu, dass ich als mutter von zwei kindern, mit etwas verkürzter arbeitszeit, nicht gerade der wunschkandidat vieler firmen war, und das in einer zeit als der arbeitsmarkt ohnehin nicht nach beschäftigten rief. trotzdem einen interessanten und ordentlich bezahlten job zu bekommen erforderte verstärkten einsatz, den war ich bereit zu bringen und das hat sich ausgezahlt. Ich bin auch heute noch bereit mehr zu arbeiten, wenn es projekt- oder situationsbedingt notwendig ist, nicht aber dauerhaft überstunden zu machen. ich mag meinen beruf und bin 100% für meine firma da, zeitweise auch mehr. das reicht und die durch eine gute work-life-balance gewonnene schaffenskraft, kreativität und gute gesundheit kommt nicht nur mir sondern vor allem auch meiner firma zu gute, denn dort verbringe ich die meiste zeit meines tages. 
seit ich nicht mehr alles 100% perfekt machen will, lebe ich viel unbeschwerter, bin ausgeglichener, lernfähiger und neugieriger.

nichts gibt mehr kraft und freiheit als das ende einer lüge“ schreibt herr raether und dass er sich mehr solidarität wünscht. Ich kann ihm nur zustimmen. solidarität heißt für mich, zuzugeben, dass ich nicht die 100% perfekte superfrau bin. also ich fang mal an:
  • mein boden darf ungewischt, meine fenster ungeputzt bleiben.
  • wenn ich müde oder erschöpft bin, quäle ich mich nicht ins fitnesstudio, sondern gehe nach hause und lege die beine hoch und lese ein buch, egal was noch zu tun ist
  • die bügelwäsche kann IMMER warten
  • ich muss nicht jeden morgen meine haare waschen
  • wenn ich um hilfe gebeten werde, helfe ich gerne aber ich bestimme wobei, wann und wie lange.
  • wenn ich gebeten werde etwas mitzubringen, muss das kein selbstgemachter salat oder kuchen sein, eine tafel schokolade oder eine flasche wein tuns auch.
  • wenn freunde kommen, muss ich kein 3-gänge menü auffahren (wenn ich keine zeit und lust habe), ein eintopf oder ein rissoto und etwas brot schmecken auch lecker.
Ich muss nicht alle facetten des lebens zu 100% erfüllen sondern nur die, die mir wichtig sind und es tut nicht weh das wörtchen NEIN auszusprechen.


ich wünsch dir ein entspanntes unperfektes wochenende!
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in the journal “brigitte woman” till raether writes about "the efficiency lie." that is for him when woman / man fooling her-/himse, to get everything well-done and organised, while they are falling by the sideway – summarised briefly - the article can be found here ...
 

i recognised that is me, how i was not a long time ago . so proud to get so much done - kids not only educated but also entertained, career and household in best order, friendships and hobbies maintained, always neat and not a single gramm to much weight, but always with a smile in the face. on the other hand often feeling tired and weary and feeling a sense of indeptedness breathing down on my neck, because something was not done or was impossible to achieve. some time i began to think about why i am doing this actually:

    because i myself being sure that it is necessary (ironing ironing bed sheets, window cleaning every ¼ year, nails painted), to meet a a certain standard. which one? mine?

    because i am so happy to be praised ? how often does that actually happen? indeed i am considered as well organised and active – but still today although i do not make any more 300% - and it's not honorably mentioned.

   because i can do it best? ha, that's the trap for the silly. everybody who tells you that that only you can do this best, is always, always, always too lazy to do it by him/herself and wants to distract from that with a cheap compliment. if I am of the opinion that i am very good in doing something, but do not like to do that, i am willing to show how to do it to everyone, but nothing else.

    because i do not want to be unaccommodating and a good friend / daughter / mother? yes, but i am although I ponder when i will help or lend a hand. a good friend would never ask me to go over my limits, a good mother also not and a good daughter realizes that her mother's willingness has limits. that does not mean that no one can count on me in case of an emergency or when situational necessities arise. yet, but i decide what is an emergency or necessity. e.g. my (back then) 17-year-old daughter wanted to be picked up by day and by night. during the day she had to take the bus or the tram, even when it was cumbersome for her. but by night, no matter when or where, i picked her up, without complaining. i thought that was necessary.

    because i want to believe that i'm irreplaceable? everyone has a vacation, is sick, is out for a few days or weeks and life goes on, what a miracle. what happens if we fail because we get too much to do? why do we not build a time buffer that we can use in the best case to have some creative thoughts, in the worst case to ease a situation. to have buffer time to spare, i should not treate my time as i have got it in the sell-out. i have to schedule it carefully, have to set my priorities and have to say no.

 because bad conscience troubles me? in his article mr. raether highlights the reasons of bad counscience. I for myself can say, that i was trained on it. how many times i have read in newspapers and journals how i “ideally” should be. How many books i have read telling me how i can optimise me or my surroundings. little by little i tried to get to the bottom of it and now i am thinking about well which demands i will accept and why i do it.
professionally it comes to the fact that as a mother of two children, with less working hours as usual i was not the favourite of many staff managers, and furthermore it was a time when the job market was not crying for employees. to get nevertheless an interesting and fair paid job requires increased efforts, i was ready to come up to it and it had paid off.
I'm still willing to work longer if it is necessary for a project or situationally necessary, but not working permanently overtime. i like my job and am working 100% for my company sometimes even more, that is enough and by having a good work-life-balance i am increasing my creativity, power and good health and that is not only a benefit for me but also for my company, because there i spend most of my day time.

since i do not want to be 100% perfect any longer, live is much more easy, i am more balanced, more capable of learning and more curious.

"nothing is more powerful than freedom and the end of a lie," mr. raether writes and he is asking for more solidarity. I only can agree with him. to show solidarity means to me to admit that I'm not a 100% perfect super woman. with it i am starting:

    my floor remains unmopped, my windows uncleaned

    when i'm tired or exhausted, i do not torture myself to go to the gym, i go back home and put up the legs and read a book, no matter what else is to do

    ironing the laundry can ALWAYS wait

    i do not ha
ve to wash my hair each morning

    if i am asked to help, i willingly help but i decide where, when and how long

    if i am asked if i would bring something with me, i am not obliged to make a salad or home made cake, a choclate bar or a bottle of wine is also enough

    when friends come, i have not to prepare a 3-course menu (if i do not want and have not the time) , a stew or a rissoto with bread also tasting delicious.


i do not have to meet all facets of life by 100% but only those that are important to me and it does not hurt to say NO.

I wish you a relaxed and unperfect weekend
!



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Kommentare:

  1. Da haben wir sie wieder, die berühmte 80%-Regel. 80% aller Dinge sind mit vertretbarem Einsatz gut zu machen, für die restlichen 20% brauchst du genau so viel Kraft wie für die 80% - also unverhältnismäßig viel. UND: 80% reichen IMMER.

    Gerade uns Frauen wird gerne mal etwas anderes eingeredet und wir nehmen das auch an. Bist du nicht perfekt, also 100%, bist du nichts wert.

    Ich hab (wenn ich mich so umsehe) recht früh (nämlich schon mit Mitte Dreißig) gelernt, das Leben gelassener zu nehmen. War aber nicht freiwillig, sondern ich hatte eine größere OP und danach die Erkenntnis, manches muss ich mir einfach nicht mehr antun. Niemandem in meinem Umfeld hat irgendwas gefehlt, im Job habe ich ordentlich aufgedreht und jedes Nein hat mich stärker und selbstbewusster gemacht. Mir geht es wirklich richtig gut.

    Also Mädels, ich kann nur sagen: Es lebe die 80%-Regel!

    Grüße! N.

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    1. bisher kannte ich die 80%regel nicht, wende sie aber an. du hast 100% den nagel auf den kopf getoffen! gruß sabine

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  2. Ich bin leider noch nicht soweit. Leider habe ich mich eher in dem oberen Teil Deines Postings wiedererkannt. Aber ich arbeite an mir. ;)

    LG

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  3. vieles hat ja auch spass gemacht, job und kinder bespassen auf jeden fall, was ich wirklich brauche und was mir gut tut, hab ich erst im laufe der jahre gelernt und lern es immer noch. leben ist erfahrungen sammeln, auch über sich selbst. lieben gruß von sabine

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  4. ja, nein, nie mehr 100% ... keine Ahnung, wann ich gemerkt habe, dass ich nevernevernie perfekt sein will ... ich liebe es, in meiner freien Zeit alle 5 gerade sein zu lassen. Und je älter man wird, um so mehr Feinde äh Windmühlenflügel kommen dazu. Hormone. Wechseljahre. Dingens halt. Nein. Ich schließe mich Euch an. Sollen sich andere verückt machen. Wie war das gleich noch mit dem Kraft-Topf, der mit 40 sich langsam leert?
    Liebe Grüße!!!

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    1. willkommen im club der "faulen weiber", der krafttopf füllt sich bei mir jetzt wieder, seit ich mich nicht mehr antreiben lasse. lieben gruß von sabine

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