Montag, 26. März 2012

älter werden

schöner werden - titelt www.brigitte.de in heft nr. 8. ich gebe zu, das war ein grund für mich, die zeitschrift zu kaufen. ich hätte allerdings auf dem wortlaut achten sollen, heißt es doch schöner werden und nicht schöner sein. aber sei's drum, einige tipps kann ich bestätigen, hab ich ausprobiert (nr. 5 wählen sie den richtigen haarschnitt - ist in jedem alter ratsam, nr. 8 bleiben sie blond - ja unbedingt, nr. 29 tragen sie mascara, nr. 15 lassen sie sich einen pony schneiden. einige tipps werde ich ausprobieren (nr. 1 lipgloss tragen - ich bin eher ippenstiftträgerin, nr. 23 weißere zähne durch optisch aufhellende zahncreme). worauf ich aber eigentlich hinaus will ist der empfohlene dresscode: 
nr. 2 setzen sie auf klassiker
nr. 25 seien sie vorsichtig mit verspielten mustern
nr. 27 lassen sie vintage besser sein 

beim lesen stellen sich mir buchstäblich die nackenhaare. da widerspricht "die brigitte" sich ja selbst, propagiert sie doch seit einigen jahren - zum glück - dass der eigene individuelle stil frau am besten kleidet und in "brigitte woman" stellt sie regelmäßig bildschöne, taffe frauen vor, die uns das vormachen. und die tragen ethnolook, vintage- und hippie kleider, sie tragen farben und muster und leben ihren eigenen stil in kleidung und wohnung. ich erinnere mich an eine fotostrecke mit uschi obermeier, die in rüschen, spitze und hippiekamotten umwerfend aussah. ich erinnere mich an einen artikel über eine designerin, die sich in kleidung und wohnung in quietschebunten kinderkleidermustern auslebt. ihren namen habe ich vergessen, nicht aber was sie sagte: endlich ich bin alt genug zu tragen was mir spass macht, wer will mir jetzt noch vorschreiben, wie ich auszusehen habe (sinngemäß wiedergegeben). diese einstellung ist, es die wir frauen 50+ brauchen und keinen dresscode wie in den 60er jahren. 


ich erinnnere mich, dass es damals eine rubrik gab die modesünde - oder so ähnlich - hieß. was mir davon in erinnerung blieb ist, die aussage, dass frau unter einer weißen bluse nie, nie niemals einen schwarzen bh tragen darf.was passiert, wenn sie's trotzdem tut, weiß ich nicht mehr. ich weiß aber noch, dass ich kurz darauf beim bäcker eine frau sah in weißer hemdbluse, die gut sichtbar einen schwarzen spitzen-bh darunter trug und fand ich die frau und ihren stil einfach klasse.


durch unsere stadt ziehen, vor allem im sommer, täglich grüppchen von touristen, oft frauen und oft in reiferem alter. schon lange fällt mir zu meinem bedauern auf, dass diese frauen aussehen, also ob ihnen jemand gesagt hat, fall du bloß nicht mehr auf. kleide dich praktisch und unauffällig und überlass den jungen frauen das frausein, die mode, den eigenen stil. jede zweite trägt kurze haare, oft einen herrenschnitt, wadenlange hose, bluse oder t-shirt unfällig in farbe und muster und bequem- oder turnschuhe. 

es kann doch nicht sein, dass so viele frauen sich nicht mehr für ihr aussehen interessieren? ist es nicht vielmehr so, dass die gesellschaft - wer immer das ist: eltern, geschwister, nachbarn, kollegen/innen, kinder  - vorgibt, was frau ab 40 oder 50 nicht mehr tragen "kann" (minirock, flatterkleid, leggins, lange haare, etc.)? wer will sich schon gerne der lächerlichkeit preisgeben, einfacher ist es die oma-einheitsuniform zu tragen. denn wenn wir tragen, was uns gefällt ohne auf unser alter und den (jetzt nicht mehr) ungeschriebenen dresscode zu  achten, hören wir in unserem inneren immer eine stimme die sagt: sie kann nicht mit anstand alt werden. 
was aber hat anstand mit kleidung zu tun, hier in deutschland, 2012. 


schade finde ich, dass eine zeitschrift wie brigitte, diesen sonderbaren trend mitmacht, deshalb werde ich heute zum ersten mal einen leserbrief schreiben. 

außerdem möchte ich zeigen, dass es auch anders geht, bitte schickt mir bilder von euch, auf denen ihr tragt, was euch gefällt, hauptsache es ist euer eigener stil.

liebe grüße von
sabine 







Kommentare:

  1. Moin! Deinen Post finde ich interessant. Es stimmt, mit 50+ muss man sich dem Diktat der Mode nicht mehr unbedingt beugen. Aber allzu "verrückt", das ist auch nicht mein Stil, obwohl ich mich freue, dass es Frauen gibt, die sich dazu bekennen. Allerdings sind es meistens schlanke, an denen sowas wirklich gut und nicht nur verrückt aussieht. Das kann ich natürlich für mich nicht in Anspruch nehmen, denn leider hat sich meine Taille vor einigen Jahren verabschiedet, endgültig, wie es scheint. Aber guckst du hier: http://www.advancedstyle.blogspot.de/
    Grüßle
    Ursel

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    1. mein erster kommentar, danke liebe ursel, ich hab gleich darauf geantwortet, hab aber wohl was falsch gemacht, meine antwort wird nicht angezeigt. inzwischen weiß ich, dass das bei blogger manchmal vorkommt. deshalb hier ein neuer versuch, entschuldige, wenn ich mich wiederhole:
      advance style schau ich mir auch ab und zu an und ich finde die old ladies wunderbar und mutig. aber mir geht es nicht darum unbedingt aufzufallen, ich möchte andererseits aber auch nicht übersehen werden und ich möchte mir nichts vorschreiben lassen. es spielt meiner meinung nach auch keine rolle, ob frau superschlank oder füllig ist, oder viel oder wenig geld für kleidung ausgibt, die hauptsache für mich ist, dass sich in der art, wie ich mich kleide, meine persönlichkeit wiederspiegelt.
      liebe grüße von sabine

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  2. Hallo Sabine, du bist neu im Bloggerland ... gefällt mir gut hier bei dir.

    So, nun zum Thema: Den Artikel hab ich gestern Abend im Bett auch gelesen - und ähnlich gedacht wie du. Ganz entsetzt war ich, als neben Helen Mirren (66), Meryl Streep (62) und Iris Berben (61) auch Cate Blanchet (42)!!!,Sarah Jessika Parker (46)!! und Julian Moore (51)! auftauchten. Irgendwie haben sie da mal voll daneben gefasst - das sind zwei völlig verschiedene Welten, sozusagen meine Generation und die meiner Mutter in einem Topf.

    Ich achte schon drauf, dass die Sachen, die ich trage zu mir, meinem Leben und meinen Vorlieben passen - eben mein Stil sind. Das ist ganz natürlich anders als es war mit Zwanzig und auch anders als das, was meine Tochter so trägt. Das liegt aber weniger am Alter als an der Art zu leben.

    Ich erinnere mich an eine Moderubrik in den siebzigern: Mode für die Frau ab dreißig! So was würde heute gar nicht mehr akzeptiert werden.
    Ich reise ja immer nach dem Motto: Jeder Mensch kann alles tragen. Solange er sich darin wohl fühlt, ist das doch ok. Mit seiner Umwelt und deren Reaktion muss jeder selber klar kommen.

    Ich bemerke, dass ich weg komme vom strengen schwarz-weiß und mehr Farben ins Spiel bringe. Aber sonst ... da ich selber nähe, waren meine Klamotten schon immer ein bisschen anders und ich bin gerne etwas overdressed. Die Haare waren eh schon immer kurz, die Farben wechseln, auf einen guten Schnitt achte ich immer. Auch das hat nichts mit dem Alter zu tun. Das tut man oder eben nicht. Und dass man nach ein paar Jahren mal eine andere Creme braucht ist so einen Binsenweisheit ... Nun ja, nichts dazu gelernt. Aber die Bilder sind schön im Artikel. Die Fotos von Corinna Harfouch und Helen Mirren finde ich super.

    Grüße! N.

    PS: In meinem Blog unter dem Label "A passion for fashion" (im Inhaltsverzeichnis anklicken) gibt es auch Fotos von mir und meinen Klamotten (falls du schauen magst).

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    1. ja ich bin neu hier und finde es aufregend und inspirierend, muss aufpassen, dass ich nicht zuviel zeit im bloggerland verbringe. hab kurz in deinen kleiderschrank geschaut, besonders das rote find ich wunderbar. gestreifte shirts sind unverzichtbar, immer wenn ich nicht weiß, was ich anziehen soll, es aber eilig habe, streifenshirt und jeans oder chinos und der tag ist gerettet.
      im brigitte-artikel hat mir am besten lauren hutton gefallen, mit ihrer zahnspalte und der kleindmädchenfrisur. und natürlich corinna harfouch, die gefällt mir immer. aufgefallen ist mir, dass diese beiden richtig herzlich lachen. das mag ich auch an ihnen.
      grüße von sabine
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